Warum schnarchen wir eigentlich in der Nacht? 22 Juni 2021

Je nach Studie und untersuchter Alterskohorte neigen zwischen 30 und 50% aller Menschen zum Schnarchen. Dies muss nicht zwangsläufig mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergehen. Einfach ignorieren sollte man das Phänomen dennoch auf keinen Fall – die Ergründung der Ursachen des Schnarchens kann Hinweise auf unerkannte Risikofaktoren liefern und bei der Behandlung von Schlafstörungen von großem Nutzen sein.

Schlafstörungen als Volkskrankheit der Gegenwart

Schlafstörungen zählen zu den weit verbreiteten „Volkskrankheiten“ – Tendenz steigend. Von zu gering bemessener Schlafdauer über Bewegungsstörungen bis hin zu sogenannten Parasomnien (z. B. Schlafwandeln und Zähneknirschen) können sie die unterschiedlichsten Formen annehmen und besitzen ebenso viele mögliche Ursachen. In diesem Zusammenhang lässt sich grundsätzlich zwischen primären und sekundären Schlafstörungen unterschieden, wobei nur Zweitere organisch oder psychisch bedingt sind. Chronische Schlafprobleme sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, können sie doch neben akuten Negativeffekten wie herabgesetzter Leistungsfähigkeit langfristig auch die Herausbildung von schwerwiegenden Krankheiten wie Demenz oder Depressionen befördern. Auch das Schnarchen – definiert als beim Schlafen abgegebene knatternde oder sägende Geräusche, die in den oberen Atemwegen entstehen -, hat seinen Anteil am Entstehen von Schlafstörungen.

Schnarchen nicht auf die leichte Schulter nehmen

Während das sogenannte kompensierte Schnarchen, bei dem die Atemwege nur etwas verengt werden, als normal gilt und somit keinen Krankheitswert besitzt, ist das bei der obstruktiven Form des Schnarchens schon anders: Dabei treten zusätzlich zu den charakteristischen Geräuschen auch Atembeschwerden auf, was das Durchschlafen erschwert und neben Alltagsbeschwerden auch zu Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Beschwerden sowie im äußersten Fall zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen kann. Je nach Ausmaß der Atemstörungen kann obstruktives Schnarchen auch in das Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) übergehen, das als schwerwiegende Schlafstörung eingestuft wird. Neben möglichen Gesundheitsrisiken kann schweres Schnarchen auch zu Beziehungsproblemen führen, wenn sie das Schlafverhalten des Partners nachhaltig beeinträchtigen.

Ursachen des Schnarchens medizinisch abklären

Die Ursachen des Schnarchens sollten in Zusammenarbeit mit einem Arzt abgeklärt werden, um eine etwaige Behandlungsbedürftigkeit zu erkennen und möglichen Folgeschäden vorzubeugen. Die Bandbreite der Auslöser reicht von falschen Schlafpositionen über Übergewicht und Alkoholkonsum bis zu genetischen Faktoren, Fehlstellungen des Kiefers und chronischen Entzündungen. Eine zentrale Ursache lässt sich pauschal nicht benennen, weshalb die Gründe des Schnarchens immer im Einzelfall beurteilt werden sollten. In leichteren Fällen kann schon das Einhalten bestimmter Verhaltensregeln zu einer Besserung des Beschwerdebildes führen, etwa durch Gewichtsabnahme, abendliche Alkoholabstinenz und die Vermeidung des Schlafens in Rückenlage bei offenem Mund. Zur richtigen Körperhaltung können auch passendende Matratzen und Kopfkissen beitragen, die eine übermäßige Tieflage korrigieren. Der Einsatz anderer Hilfsmittel wie Nasenpflaster und Protrusionsschienen ist ebenfalls denkbar. Unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei Vorliegen einer die Atmung behindernden Nasenscheidewandverkrümmung) kann auch eine medizinisch-chirurgische Behandlung notwendig erscheinen.

Fazit

Bei anhaltenden Schlafstörungen sollten Sie zuallererst Ihren Arzt aufsuchen, um deren Ursachen ausfindig zu machen und sich gegen gesundheitliche Komplikationen abzusichern. Das gilt gerade auch für mit dem Schnarchen zusammenhängende Beschwerden, deren Ausmaß und Schweregrad ohne fachmännische Begutachtung durch einen HNO-Arzt häufig unerkannt bleibt. Ergänzend zur Ergründung und Behandlung der übergeordneten medizinischen Ursachen des Schnarchens, sofern eine solche vorliegt, kann auch ein individuell abgestimmtes, ergonomisches Schlafsystem einen Beitrag zur Verbesserung der Schlaflagebedingungen leisten.

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